20.09.2019 (von Frank Groeneveld): An Wochenende ist es wieder soweit. Drei Tage lang werden viele, viele Besucher zum "Fehntjer Markt" ins Zentrum der Gemeinde Rhauderfehn strömen. Könnte man die Zeit um über 100 Jahre zurückdrehen, so würde sich dem Betrachter ein sehr verändertes Bild bieten.

Damals war die Nordseite des Untenendes für kurze Zeit der Ort des Geschehens. Statt der sich immer schneller und spektakulärer drehenden heutigen Fahrgeschäfte freuten sich unsere Vorfahren über beschauliche Pferde-Karussells, die ihnen vermutlich ebensolchen Spaß brachten. Nicht vergessen werden darf der zum Marktgeschehen gehörige Viehmarkt, mit dem frühmorgens der Markttrubel begann.

Wie solch ein Herbstmarkt vor über hundert Jahren zur Zeit unserer Urgroßeltern ausgesehen hat, lässt sich den zwei folgenden zeitgenössischen Artikel aus dem Leerer Anzeigeblatt (LAZ) entnehmen.

Am 09.November 1880 schrieb das LAZ: “Westrhauderfehn, 4.November. (Herbstmarkt) In herrlichem Herbstwetter, hellem Sonnenschein, klarer, stärkender, etwas winterlich durchhauchter Luft, stand heute unser Herbstmarkt als ein ansehenswerthes Schaustück da. Eine schöne Doppelreihe von Buden und Ständen hatte sich zu beiden Seiten der Chaussee im Untenende auf dem gewöhnlichen Platze in der Gegend der Schule und des Thurms aufgestellt. Der Abbruch der alten Schule hatte den Marktplatz etwas verbreitert und doch war davon wenig zu spüren, denn aller Raum war besetzt und die Marktgänger drängten sich zwischen die Budenzeilen hindurch.

Die Vorbedingungen zum schönsten und erfreulichsten Marktsverkehr waren damit gegeben. Ueber das Ganze war aber nicht die gewöhnliche Marktslustigkeit und -fröhlichkeit ausgebreitet. Es schien dem Ganzen das Metall zu fehlen. Eine Drehorgel und zwei nebeneinander aufgestellte prächtige Caroussels mit Drehorgelmusik bildeten für Ohr und Auge den Kernpunkt und übten die Aufgabe, den Marktplatz mit Getön und Scene zu beleben. An Schaubuden gab es drei, die nur ganz Gewöhnliches boten und ferner ein Puppentheater. Die löbliche Gymnastik war diesmal nicht vertreten. Was aber nicht fehlte, war die Prophetin, die Blicke in die Zukunft verkaufte. Im Ganzen wies der Marktplatz etwa 48 Buden und 30 Stände auf.
Auch der Viehmarkt war sehr gut besetzt und die Preise für Rindvieh standen ziemlich gut. Schweine bedangen, wie auf allen Märkten, hohe Preise: junge Schweine 24, alte 54 Mark und darüber. Schafe standen niedrig im Preise. So gingen Lämmer für 9 - 12, alte Schafe für 12 - 15 Mark in die Hand des Käufers über.

Weil der Markt so außerordentlich stark besucht war, waren die Ergebnisse desselben für die Verkäufer ziemlich zufriedenstellend. Unsere drei weiträumigen, aufs bequemste eingerichteten Gasthöfe, in der Nähe des Marktes belegen, waren von Vormittags 11 Uhr bis Nachts über 12 Uhr hinaus gedrängt voll und werden die Wirthe auch eine ziemlich gute Ernte gehabt haben. Wie unser Ort, so wird auch der Markt jährlich bedeutender.“

Ein paar Jahre später, am 4.November 1894 hieß es im LAZ: "Westrhauderfehn, 2.November. Der sog. Fehntjer Markt weist einen von Jahr zu Jahr steigenden Trubel auf. Es ist nicht mehr zum Durchkommen, sodaß es bald nicht mehr nur ein frommer Wunsch der Geschäftsleute, sondern eine Nothwendigkeit sein wird, einen zweiten Markttag einzurichten. Außer 42 Verkaufszelten und vielen Verkaufstischen nahmen einige Schaubuden und zwei Karoussels den Krammarkt ein; die Säle waren schon am Nachmittag von Tanzlustigen überfüllt. Dem Viehmarkte waren 275 Stück Rindvieh und über 100 Schafe und Ziegen zugeführt, während von 91 Wagen Schweine feilgeboten wurden. Die Rindviehpreise zeigten gegen früher einen Rückgang, wogegen die Preise für Schweine etwas anzogen."

Mitte der 1930er Jahre wurde dieses Foto vom Fehntjer Markt aufgenommen. Im Vordergrund sind etliche Preise in einer Auslage zu sehen, die sich auf einem drehbaren Gewinnspiel befinden. An der Seite sind die Hausgiebel der Häuser A.Bürger, C.Bernhards und R.Th.Aden zu erkennen. (Bildquelle: Antje Ahlers).

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Heiner Hülsebusch,
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Termine

  • unter anderem mit einem Vortrag des Heimatforschers und Journalisten Heinz J. Giermanns. Am Dienstag, 8. Oktober 2019 spricht er ab 19.30 Uhr in der Gaststätte Verlaatshus an der Deichstraße in Rhauderfehn. Thema des Abends ist: „Von Mühlen, Brücken und Konflikten - Westrhauderfehn ‚unter Strom‘.“Die Geschichte der Mühlen in Westrhauderfehn spiegelt die Besiedelung des Fehns und dessen wirtschaftliche Entwicklung. Beliefert wurden sie teils auf dem Wasserweg und teils über Wege, die daran entlangführten. Während der Fuß- und Fuhrwerkverkehr auf die Brücken angewiesen war, galten sie dem Schiffsverkehr eher als Hindernis. Zu den Besonderheiten der Westrhauderfehner Mühlengeschichte zählt, dass der Müller Rudolf…

  • 19.10.2019 | 14:30 Uhr | Immer im Oktober beginnen die monatlichen Treffen des Arbeitskreises „Familiengeschichtliche Heimatforschung im Overledingerland“, bei welchen sich die Teilnehmer seit über 30 Jahren mit der umfangreichen regionalen Geschichte befassen.Das erste Treffen in diesem Winterhalbjahr findet am Samstag, den 19.Oktober, ab 14.30 Uhr im Alten Fehnhaus, 1.Südwieke 41 in Ostrhauderfehn statt, u.a. mit einem Vortrag von Hinrich Heselmeyer: "Bilderreise durch Ostoverledingen - gestern & heute". Interessierte sind herzlich willkommen.

  • Von Ziegeln, Krieg und Prozessen: Spannende und beeindruckende Erinnerungen hat der Autor Heinz J. Giermanns in der jetzt vorliegenden 27. Ausgabe seines Magazins „Fehn-Leuchten“ zusammengetragen. Auf 20 Seiten wird die Geschichte der Ziegelei in Langholt beschrieben. Die Leser erfahren zudem, wie der Zweite Weltkrieg nach Folmhusen kam, wie sich ein ehemaliger Pimpf an die Kämpfe in Ostrhauderfehn erinnert und warum sich der Hauptlehrer Ernst Gottschalk mit dem Arzt Dr. Peter Visher vor Gericht gestritten hat. Interessant ist auch die Geschichte von Thee Uden Elsen, dem letzten Fährmann über die Jümme bei Neuburg.

  • 17.08.2019 | 17.00 Uhr | im Garten von Mine Oltmanns.Anmeldung erbeten.

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