Collinghorst bedeutet "Quellenhöhe"

von Siegfried Hopkes, Realschullehrer in Westrhauderfehn

In: Friesische Blätter, November 1970, Nr. 11, 7. Jhg.

Termin am 12.12.2015

Die Namensforschung ist bekanntlich ein schwieriges Kapitel, und es sind dazu vielseitige Gesichtspunkte heranzuziehen. Am besten geht man von dem urtümlichen Landschaftsbild vor Jahrhunderten aus und zieht dann geschichtliche Quellen und alte Landkarten hinzu. Außerdem muß man an Ort und Stelle topographische und mundartliche Studien machen. Unter Berücksichtigung all dieser Punkte bin ich zu der Deutung, Collinghorst bedeutet "Quellenhöhe", gekommen.

Der Wortbestandteil "Colling", auch "Kolling" geschrieben, "Köllen" gesprochen, geht auf das uralte, indogermanische Wort Kal = junger Wasserlauf, und später im  Germanischen Kald, Kold = Quellbach zurück. - Auch das Zeitwort kallen, kaueln = rinnen, sprudeln, murmeln, schwatzen ist davon abgeleitet.

Im Nordfriesischen ist dieses Wort noch lebendig und kommt in Koldehörn, Koldebüttel u. a. vor. Der Namensforscher Otto Clausen in Kropp/Schleswig-Holstein weist darauf hin, daß im Dänischen 

Quelle = Kilde heißt und mit dem Friesischen verwandt ist. In diesem  Zusammenhang ist auch das Wort Kule = Grube oder auch Wälzlache für Tiere zu nennen; früher auch "küll" oder "köll" ausgesprochen.

Infolge Lautabwandlung kann auch wohl ein "kell" daraus werden. So vorbereitet kann man die Ortsnamen Col- linghorst, Collhusen, Collrunge, Coldam, Coldeborg, Coldinne,  Collstede und z. B. Kellingwolde bei Bunde, Kelling -husen und Kellenhusen näher untersuchen, wobei bedacht werden muß, ob nicht in dem einen oder anderen Fall das Wort "Kolk" - Wassereinbruchstelle oder ein Personenname mit in Betracht gezogen werden muß, wie bei Coldam und Coldeborg.

Hat es denn nun in Collinghorst Quellbäche, Wasserstellen und ähnliches gegeben? In früheren Veröffentlichungen ist bereits auf die "poels" (Wasserstellen) hingewiesen worden, den Metje-Poel, den Foek-Poel, den Tüntje. Ich konnte auf der alten Landkarte des Laurentius Michaelis "Frisia orientalis nova et exacta  descriptio" von 1579, neu veröffentlicht von Dr. Arend Lang, ersehen, daß bei Collinghorst, südlich von Ihrhave (Jhrhove), zwei kleine Flüsse entspringen, von denen, der eine nördlich an Ihrhove vorbeifließt und  ein Stück nördlich von Dorenborg in die Ems mündet, der andere südlich bei Coldemüntje die Ems erreicht. Teile dieser alten Wasserläufe sind vielleicht noch in den Zuführungen des heutigen Wallschloots westlich von Steenfelde zu erkennen.

Auch die Bietze kann durchaus früher ihren Ursprung und ihre Zuflüsse näher bei Collinghorst gehabt haben. Sie verläuft heute nördlich und mündet in die Leda. -

Im Ort selbst haben heute noch der Ostert-Bach und der Jastert-Bach ihren Lauf. Der Namenteil "horst" bedeutet ein mit Busch und Wald bestandener Hügel, meistens eine Bodenkuppe in der sonst flachen Landschaft. Das trifft auf Collinghorst zu. Fast überall war es von Mooren und Hammrichen umgeben; ein schmaler Landrücken, der immer flutfrei blieb und darum schon sehr früh die Pflanzenwelt, später die Tiere  und Menschen zur Ansiedlung einlud. Der Name "horst" ist hauptsächlich sächsisch und neudeutsch, in alter Zeit hieß es heerst, höst, höss, hess; wie es heute auch noch mundartlich in dem Namen Collinghorst aufklingt.

Demnach ist also "horst" eine Höhe. Dieser Vorteil ist selten in Ostfriesland. Im Kreis Wittmund gibt es ein Horsten, im Ammerland ein Dänikhorst. Im allgemeinen hat sich  sonst für ähnlich gelagerte Siedlungen der Name "holt" oder "loh" in der zweiten Silbe durchgesetzt. Insofern ist unser Collinghorst schon etwas Besonderes.

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Heiner Hülsebusch,
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