27.06.2021: Skandinavisches Holz für Fehntjer Bauherren - Zum 150.Geburtstag von Hartwig Graepel.

Wer früher vom sogenannten „Kreisel“ im Zentrum Westrhauderfehns die Rajenwieke entlangfuhr, kam nach wenigen Metern an mehreren prägenden Gebäuden vorbei. Dies waren die Baustoffhandlung Graepel, das Kontor mit dem Wohnhaus von Hartwig Graepel und die schöne Jugendstilvilla, welche sich Conrad Philipp Graepel, Inhaber des Kaufhauses „C.A.I. Hagius Sohn“, 1902 als Alterssitz bauen ließ. Während die Villa Graepel heute noch existiert und das Fehn- und Schifffahrtsmuseum Westrhauderfehn mit Touristikbüro beherbergt, ist von der Baustoffhandlung seit 1990 nichts mehr zu sehen. Hier befindet sich heute die Zufahrt zu einem Einkaufszentrum.

Der Mann, der viele Jahre lang die Geschicke der Holzhandlung an diesem Standort in seinen Händen hielt, war Hartwig Graepel. Sein Geburtstag jährt sich in Kürze zum 150.Mal. Geboren wurde er am 29.Juni 1871 als Sohn des Kaufmanns Conrad Philipp Graepel und dessen Ehefrau Frauke geb. Hagius. Laut Günther Graepel, der sich ausführlich mit der Geschichte seiner Familie beschäftigt hat, verlebte sein Onkel Hartwig Graepel seine Jugendjahre in Westrhauderfehn. Zu Zeiten des bekannten Pädagogen Hinrich Janssen Sundermann, besuchte er die Volksschule am Untenende. Anschließend absolvierte er das Ulrich-Gymnasium in Norden und ergriff danach - der Familientradition entsprechend - den Kaufmannsberuf. Nach seiner Lehre bei einem großen Holzimporthaus in Bremen rief ihn die kaiserliche Armee.

Am 1.Januar 1902 setzte sich Conrad Philip Graepel zu Ruhe. Die bestehende Holzabteilung von der Firma Hagius Sohn wurde nun als selbständiges Unternehmen abgetrennt und in die Hände von Hartwig Graepel gegeben.

Hartwig Graepel war ein Kaufmann von altem Schrot und Korn. Gerne und oft erzählte er von der guten alten Zeit, als er noch Schiffsladungen Holz direkt aus Norwegen bezog. Das Bauholz wurde nach Leer transportiert und dort in Fehntjer Schiffe umgeschlagen. Da bis in die 1930er Jahre hinein nahezu alle von den Fehntjern benötigten Baumaterialien mit Schiffen herangefahren wurden, herrschte bei den Hallen der Holzhandlung am Rajenkanal oftmals emsiges Treiben. In der damaligen Zeit hielt Hartwig Graepel für das Unternehmen vier bis fünf Pferde für den Weitertransport. Langjährige Mitarbeiter seines Onkels waren laut Günther Graepel z.B. der Prokurist Hagedorn aus Ostrhauderfehn oder der Lagermeister Simmering.

Während der sogenannten „Polenzeit“ nach dem Ende des 2.Weltkrieges 1945 musste Hartwig Graepel seine Wohnung am Rajen räumen und zog zu seinem Bruders Conrad ins Haus Untenende 24.

1950 übertrug Hartwig Graepel die Holzhandlung mit dem Wohnhaus an seine Nichte Margarethe und ihren Mann Alfred Boner, welcher das Geschäft weiterführte.

An seinem 80.Geburtstag am 29.06.1951 verstarb der Holzkaufmann Hartwig Graepel, der nicht zuletzt wegen seines allzeit freundlichen und humorvollen Wesens überall geschätzt wurde.

In den folgenden Jahren erfolgte eine Umstrukturierung des Sortiments, und es entstand dadurch ein neuer Handwerksbetrieb für Fußbodenbelege (Estrich und Parkett). 1982 wurde die Firma aufgegeben und das Grundstück mit dem Wohnhaus und der Lagerhalle an einen Investor verkauft.

Von Frank Groeneveld

 

 

+++ 23.12.2020: Der Verein Overledinger Geschichte wünscht allen Heimatfreunden ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes und gesundes neues Jahr 2021.
Zum Jahreswechsel erinnern wir an ein historisches Ereignis vor 95 Jahren.

Weihnachten 1925 erklang neues Geläut in Westrhauderfehn

Der 20.Dezember 1925 (4.Advent) war ein festlicher Tag für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Westrhauderfehn. In einem feierlichen Weihe-Gottesdienst, der von Pastor Theodor Heyer gehalten wurde und an dem mehrere Chöre und Schulkinder mitwirkten, ließ das neue Vierer-Geläut zum ersten Male seine Stimmen erschallen.

Zahlreiche Spenden hatten die Anschaffung bei der Glockengießerei F.W. Rincker in hessischen Sinn ermöglicht. Die Glocken wurden abgestimmt auf die Töne Es, F. As und B. Alle Glocken zusammen hatten ein Gewicht von 3.831 kg.

Für die Westrhauderfehner Kirche mit ihrem 1885/86 erbauten Kirchturm war es bereits das zweite Geläut. Von den ersten vier Glocken mussten drei am 11.Juni 1917 für Rüstungszwecke abgegeben werden.

Auch die hier abgebildeten Glocken verkündeten keine zwei Jahrzehnte lang Freud und Leid in der Gemeinde. Sie wurden zur Jahreswende 1943/44 als Rohstoff für Waffen und Munition vom Nazi-Staat eingefordert.

Die obige Aufnahme entstand bei der feierlichen Einholung der Glocken am 2.Advent 1925, welche mit Tannengirlanden bekränzt waren. In der Woche vor dem 4.Advent wurden die Glocken bei kaltem Schneewetter auf den Turm gezogen. (Foto überlassen von Michael Till Heinze).

von Frank Groeneveld

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20.09.2019 (von Frank Groeneveld): An Wochenende ist es wieder soweit. Drei Tage lang werden viele, viele Besucher zum "Fehntjer Markt" ins Zentrum der Gemeinde Rhauderfehn strömen. Könnte man die Zeit um über 100 Jahre zurückdrehen, so würde sich dem Betrachter ein sehr verändertes Bild bieten.

Damals war die Nordseite des Untenendes für kurze Zeit der Ort des Geschehens. Statt der sich immer schneller und spektakulärer drehenden heutigen Fahrgeschäfte freuten sich unsere Vorfahren über beschauliche Pferde-Karussells, die ihnen vermutlich ebensolchen Spaß brachten. Nicht vergessen werden darf der zum Marktgeschehen gehörige Viehmarkt, mit dem frühmorgens der Markttrubel begann.

Wie solch ein Herbstmarkt vor über hundert Jahren zur Zeit unserer Urgroßeltern ausgesehen hat, lässt sich den zwei folgenden zeitgenössischen Artikel aus dem Leerer Anzeigeblatt (LAZ) entnehmen.

Am 09.November 1880 schrieb das LAZ: “Westrhauderfehn, 4.November. (Herbstmarkt) In herrlichem Herbstwetter, hellem Sonnenschein, klarer, stärkender, etwas winterlich durchhauchter Luft, stand heute unser Herbstmarkt als ein ansehenswerthes Schaustück da. Eine schöne Doppelreihe von Buden und Ständen hatte sich zu beiden Seiten der Chaussee im Untenende auf dem gewöhnlichen Platze in der Gegend der Schule und des Thurms aufgestellt. Der Abbruch der alten Schule hatte den Marktplatz etwas verbreitert und doch war davon wenig zu spüren, denn aller Raum war besetzt und die Marktgänger drängten sich zwischen die Budenzeilen hindurch.

Die Vorbedingungen zum schönsten und erfreulichsten Marktsverkehr waren damit gegeben. Ueber das Ganze war aber nicht die gewöhnliche Marktslustigkeit und -fröhlichkeit ausgebreitet. Es schien dem Ganzen das Metall zu fehlen. Eine Drehorgel und zwei nebeneinander aufgestellte prächtige Caroussels mit Drehorgelmusik bildeten für Ohr und Auge den Kernpunkt und übten die Aufgabe, den Marktplatz mit Getön und Scene zu beleben. An Schaubuden gab es drei, die nur ganz Gewöhnliches boten und ferner ein Puppentheater. Die löbliche Gymnastik war diesmal nicht vertreten. Was aber nicht fehlte, war die Prophetin, die Blicke in die Zukunft verkaufte. Im Ganzen wies der Marktplatz etwa 48 Buden und 30 Stände auf.
Auch der Viehmarkt war sehr gut besetzt und die Preise für Rindvieh standen ziemlich gut. Schweine bedangen, wie auf allen Märkten, hohe Preise: junge Schweine 24, alte 54 Mark und darüber. Schafe standen niedrig im Preise. So gingen Lämmer für 9 - 12, alte Schafe für 12 - 15 Mark in die Hand des Käufers über.

Weil der Markt so außerordentlich stark besucht war, waren die Ergebnisse desselben für die Verkäufer ziemlich zufriedenstellend. Unsere drei weiträumigen, aufs bequemste eingerichteten Gasthöfe, in der Nähe des Marktes belegen, waren von Vormittags 11 Uhr bis Nachts über 12 Uhr hinaus gedrängt voll und werden die Wirthe auch eine ziemlich gute Ernte gehabt haben. Wie unser Ort, so wird auch der Markt jährlich bedeutender.“

Ein paar Jahre später, am 4.November 1894 hieß es im LAZ: "Westrhauderfehn, 2.November. Der sog. Fehntjer Markt weist einen von Jahr zu Jahr steigenden Trubel auf. Es ist nicht mehr zum Durchkommen, sodaß es bald nicht mehr nur ein frommer Wunsch der Geschäftsleute, sondern eine Nothwendigkeit sein wird, einen zweiten Markttag einzurichten. Außer 42 Verkaufszelten und vielen Verkaufstischen nahmen einige Schaubuden und zwei Karoussels den Krammarkt ein; die Säle waren schon am Nachmittag von Tanzlustigen überfüllt. Dem Viehmarkte waren 275 Stück Rindvieh und über 100 Schafe und Ziegen zugeführt, während von 91 Wagen Schweine feilgeboten wurden. Die Rindviehpreise zeigten gegen früher einen Rückgang, wogegen die Preise für Schweine etwas anzogen."

Mitte der 1930er Jahre wurde dieses Foto vom Fehntjer Markt aufgenommen. Im Vordergrund sind etliche Preise in einer Auslage zu sehen, die sich auf einem drehbaren Gewinnspiel befinden. An der Seite sind die Hausgiebel der Häuser A.Bürger, C.Bernhards und R.Th.Aden zu erkennen. (Bildquelle: Antje Ahlers).

19.01.2019: Albrecht Weinberg zu Gast bei Geschichtsforschern

Äußerst gut besucht war am heutigen Samstagnachmittag das Januartreffen des Arbeitskreises „Familiengeschichtliche Heimatforschung im Overledingerland“ im alten Fehnhaus Ostrhauderfehn. Als besonderen Gast konnte der Leiter des Geschichtskreises, Frank Groeneveld, diesmal Albrecht Weinberg begrüßen.

Zu Beginn des Treffens wurden geschichtliche Neuigkeiten aus der Region besprochen, u.a. einige Veranstaltungen zum diesjährigen Jubiläum der beiden Fehnorte Westrhauderfehn und Ostrhauderfehn. In der Teepause gab es leckere „Öljeflurten“, die Hillene Otten gebacken hatte.

Danach erhielt Heinz Giermanns das Wort. In einen Referat beschrieb er den Lebenslauf von Albrecht Weinberg und dessen Familie. Anschließend beantworte der 93-jährige Weinberg eine gute Stunde lang geduldig und ausführlich die Fragen der Heimatforscher.

Die jüdische Familie Flora und Alfred Weinberg wohnte seit 1920 am Untenende Westrhauderfehns, wo der Vater einen Viehhandel betrieb. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus änderte sich auch hier die Stimmung im Alltag spürbar. Still wurde es im Fehnhaus, als Albrecht Weinberg von den erlittenen Repres-salien durch Mitschüler und Nachbarn berichtete. Später zog die Familie nach Leer um und wurde von dort aus nach dem Novemberprogrom 1938 in verschiedenen Konzentrationslagern interniert. Mit Glück überlebten er und seine beiden Geschwister diese Leidenszeit. In der Nachkriegszeit wanderte Albrecht Weinberg mit seiner Schwester Friedel in die USA aus. Erst im Zuge des Besuches ehemaliger jüdischer Mitbürger in Leer 1985 entstanden wieder Kontakte nach Ostfriesland. Seit 2012 wohnt Albrecht Weinberg in Leer.

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Februar 2018: Alte Bilder für Ortsfamilienbuch Rhaude gesucht

Georg Stapelfeld, 35 Jahre alt, wohnhaft in Rhauderfehn-Hahnentange, hat großes Interesse an der Heimat- und Familienforschung. Seit August 2008 arbeitet er an dem Ortsfamilienbuch Rhaude, welches im Rahmen des 250-jährigen Fehnjubiläums im nächsten Jahr vorgestellt werden soll. Parallel dazu befindet sich das gleiche Werk für die Gemeinde Westrhauderfehn in Arbeit und soll auch 2019 erscheinen. Genauere Termine folgen.

Um die beiden Ortsfamilienbücher mit Leben zu füllen, möchte Stapelfeld den Familien entsprechende Bilder zuordnen. Dies gilt für Familien im früheren Kirchspiel Rhaude, zu welchem z.B. West- und Ostrhauderfehn, Holterfehn, Rhaudermoor, Langholt und Holte gehörten. Der Autor verfügt selbst über ein großes Bildarchiv und würde sich freuen, wenn er tatkräftige Unterstützung erhalten würde, um den Familien in den Büchern "ein Gesicht zu geben"

Für den Anwender ist die Forschung deutlich interessanter, wenn er bei der Suche nach seinen Ahnen auf mögliche Bilder stößt. Georg Stapelfeld würde sich über jede Hilfe freuen, um diese besondere Arbeit zum Fehnjubiläum ganzheitlich abschließen zu können.

Nähere Informationen und Beispiele gibt Georg Stapelfeld z.B. beim Treffen des Arbeitskreises „Familiengeschichtliche Heimatforschung im Overledingerland“ am 24.03.18, ab 14.30 Uhr im Alten Fehnhaus Ostrhauderfehns.

Wer dem Autor entsprechendes Bildmaterial - welches sich aus Datenschutzgründen bis zum Jahr 1902 beziehen sollte - zur Verfügung stellen möchte, kann ihn unter Tel. 04952-8919896 erreichen.

 

Das obige Foto entstand um 1911 und zeigt die Familie Albert Stapelfeld aus Westrhauderfehn. Er führte das "Kaufhaus zur alten Post" am Untenende Westrhauderfehns.

Der Verein

Moin, moin, herzlich Willkommen auf unserer Internetseite.
Viel Spaß beim Stöbern.

Heiner Hülsebusch,
1. Vorsitzender

Beitrittserklärung

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Termine

  • 20.11.2021 | 14:30 Uhr | Die Mitglieder des Arbeitskreises „Familiengeschichtliche Heimatforschung im Overledingerland" befassen sich im Vereins- und Gemeindezentrum (Schule II), Kirchstraße 221, Ostrhauderfehn mit regionaler Geschichte. Im Laufe des Nachmittages wird Hermann Adams (Ihrhove) den Vortrag „Das Kriegsende 1945 im nördlichen und westlichen Overledingerland“ halten.Für die Teilnahme gelten die 2-G-Regeln.

  • 03.10.2021 | 13:00 Uhr | Mühle Burlage | In der 1824 erbauten Burlager Mühle an der Landesstraße wird die Fotoausstellung „Ein Stück Zeitgeschichte aus 700 Jahren Burlage“ eröffnet, in der Aufnahmen vom Leben der Burlager in verschiedenen Situationen aus dem vergangenen Jahrhundert zu sehen sind. Ebenso kann das in der Mühle befindliche heimatkundliche Museum besichtigt werden.

  • 16.10.2021 | 14:30 Uhr | Die Mitglieder des Arbeitskreises „Familiengeschichtliche Heimatforschung im Overledingerland" befassen sich im im Gulfhaus Ostrhauderfehn; Leda-Jümme-Weg 8, mit regionaler Geschichte. Im Laufe des Nachmittages wird Heinz Giermanns den Vortrag „Über die Bedeutung des Langholter Johanniterklosters für die Fehnentwicklung“ halten. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln.

  • Die Gemeinde Ostrhauderfehn lädt herzlich ein zur virtuellen Eröffnung des Vereins- und Gemeindezentrums Ostrhauderfehn (= alte Schule II) am Freitag, dem 19. März 2021 um 19.00 Uhr. Die Eröffnung erfolgt live auf dem facebook Account der Gemeindeverwaltung Ostrhauderfehn. Auch der Verein Overledinger Geschichte, welcher Räumlichkeiten im Vereinsheim erhält, wird sich bei der Einweihung vorstellen.

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